WOLFGANG EDELMAYER
INTERVIEW


weltheute:
Schön, dass Sie sich Zeit genommen haben, Herr Edelmayer. Woher kommt Ihre Vielseitigkeit?
Sie singen, tanzen, komponieren, schreiben Bücher...

W.E.: Naja, es ist ein Buch, obwohl ich noch zwei Drehbücher fertig habe. Urspünglich wollte ich Musical studieren - war dementsprechend in London und New York. Die Ausbildungen waren so gerichtet, dass ich sowohl Gesang als auch Tanz und Schauspiel perfektionieren konnte. Da war ich dann fleißig - das hat sich bis heute weitergezogen. Jede Richtung hat ihre Schönheit in sich und der Kreis schließt sich in der Vollendung.

weltheute: Mit der CD "Briefe von Tieren" sorgen Sie zur Zeit für viel Aufsehen. Wie kam diese CD zustande?

W.E.: Die einfache Antwort lautet: Sie kam zu mir. (Pause). Ich bin in Hannover am Schreibtisch gesessen, hab in der Zeit ein Lied nach dem anderen aufgenommen und wollte etwas anderes machen. Es ist schwer zu beschreiben, wie Kompositionen entstehen. Sie entstehen eben nicht, sondern werden einem geschenkt. Man muss nur dem Augenblick vertrauen, ich denke, das kann ich ganz gut. Es macht "Klick" und alles fliesst, wie eine unerwartete Geburt.

weltheute: Wieso konzentrieren Sie sich auf Tiere?

W.E.: Durch geschärfte Sensibilität. Nennen Sie es Feinfühligkeit, oder einen wohlgeformten Spürsinn. Das hat nichts mit Gedankenlesen zu tun, sondern mit dem Erfassen eines Zustandes. Tiere entblössen ihre Seele, ihr Wissen sehr deutlich. Sie selbst sind mit herrlichen Gaben beschenkt, Gaben, die weit über unseren liegen. 
Und doch sind sie abhängig von der Macht, die Menschen nicht immer im Guten auszeichnet. Und obwohl wir Tiere lieben, behandeln wir sie überheblich und respektlos. Ich will die Sicht dieser Schönheiten aufzeigen - obwohl meine Darstellung wahrscheinlich noch untertrieben ist. (Pause) Die Tierbriefe kreiden nicht an und jeder, der sie hört, entscheidet selbst über ihre Glaubwürdigkeit. Ich rufe nicht zur Radikalität auf - jede Radikalität ist für mich schon in ihrem Ansatz gescheitert. Mein Ansatz ist, das eigene Ego loszulassen und es durch Feingefühl zu ersetzen.

weltheute: Sie sprechen vom Ego, also dem Ich. Was soll also der Mensch machen, um Gewalt zu stoppen?

W.E.: Aus Millionen von Ichs gehen Millionen von Wege aus. Es gibt kein Erfolgsrezept, denn das Erfolgsrezept würdigt sich aus der Eigenständigkeit. Verstehen Sie? Da können Sie noch zu hunderten von Gurus laufen und kopieren im besten Fall jemanden, der sich gefunden hat. Aber eben nur sich. Sie können Erfahrungen machen, verstehen, aber dann müssen Sie sich zurückziehen und diesen einen Weg für sich finden.

weltheute: Bedeutet das, dass Sie den Menschen abraten, Hilfe zu suchen oder sich beraten zu lassen?

W.E.: Nein, gar nicht. Sie sollen sich alles anhören und dann ihre eigene Entscheidung treffen. Aber eben ihre eigene und nicht von jemanden, der sie vorgibt. Das ist gar nicht so einfach, denn derjenige, der sagt: "Schmeiss Dein Ego weg!", der hat ja auch ein Ego. Der Weg zu tiefen Einsichten, sofern man sie möchte, läuft allein mit tausenen Gedanken, bis diese Gedanken in Sinnlosigkeit auseinanderbrechen. (Pause) Die Musik ist da ein gutes Beispiel, eines, das mich betrifft: Ich denke nicht nach, wie ich etwas mache und warum. Ich tu es einfach, lasse dem Universum die Möglichkeit, mich zu führen. Und dann - schwupp - ist es getan und es gibt auch nichts mehr auszubessern. Sie werden merken, dass viele große Ideen aus einem Augenblick entstehen. Man denkt nach und nach, nichts geht weiter und dann denken Sie sich "Lass es", und irgendwann, vielleicht jetzt oder später, zündet das Kraftwerk und Sie wissen nicht, warum. Würde man sich darauf mehr verlassen, hätten wir eine, glauben Sie mir, bessere Welt. Aber nein, wir wiegen ab, denken nach, vergleichen, grübeln, sortieren....und dann ist das Leben auch schon vorbei.

weltheute: Ihr neues Buch "Wahrheit" ist ein sehr poetisches, wunderbares Buch. Wie ist das entstanden?

W.E.: Es gab Anfragen nach meinen Texten. Und weil ich jetzt nicht ein Textbuch machen wollte, schrieb ich zu diesen Texten meine Gedanken. Es ist eine Aufarbeitung der Entstehung und meiner Ansichten. Eine eigene Erinnerung, die mir gefällt und in mir stimmt.

weltheute: Danke für das Interview!

W.E.: Gerne!